Juni 2023

230604

ENERGIE-CHRONIK


Niederlande beenden Erdgas-Förderung zum 1. Oktober

Acht Jahre nach den ersten Beschränkungen (150605) haben die Niederlande jetzt beschlossen, die Förderung von Erdgas in der Provinz Groningen zum 1. Oktober endgültig einzustellen. Dies teilte der zuständige Staatssekretär Hans Vijlbrief am 23. Juni in Den Haag mit. Der Grund sind die schweren Schäden an unzähligen Gebäuden über den Erdgasfeldern und eine seit Jahren zunehmende Empörung der betroffenen Bevölkerung. "Aufgrund der unsicheren internationalen Situation" will die Regierung die letzten elf Bohrlöcher aber erst nach Ende des Gasjahres 2024 dauerhaft verschließen, um die Förderung notfalls reaktivieren zu können.

Fördergesellschaft NAM und Regierung missachteten jahrzehntelang die schädlichen Folgen


"Die einzige Bewegung auf dem Wohnungsmarkt hier kommt von der NAM", sinniert der Hauseigentümer, der auf dieser holländischen Karikatur mit dem Schild "Zu Verkaufen" vor seinem schwer beschädigten Gebäude steht.

Im Frühjahr war eine parlamentarische Untersuchungskommission zu dem Schluss gelangt, dass die beiden Energiekonzerne Shell und Exxon mit Unterstützung des Staats die Interessen der Bürger jahrzehntelang systematisch missachtet hätten, weil ihnen "Geld wichtiger als Sicherheit und Gesundheit" gewesen seien. Die Einnahmen aus der Gasförderung beliefen sich für die Fördergesellschaft NAM der beiden Energiekonzerne auf 66 Milliarden Euro und für den Staat auf über 360 Milliarden Euro. Die Regierung hat inzwischen 22 Milliarden Euro an Entschädigungen zugesagt.

Zunächst sollte die Gasförderung erst bis 2030 beendet und der niederländische Eigenbedarf durch Importe von hochkalorischem H-Erdgas gedeckt werden, die durch Beimengung von Stickstoff auf den niedrigeren Brennwert des niederländischen L-Gases gebracht werden (180403). Ebenso wollte man in Deutschland verfahren, sobald die niederländischen Gasimporte entfallen (181109). Nach weiteren Erdbeben und dadurch ausgelösten Gebäudeschäden (190513) erhöhte sich jedoch der Zeitdruck. Deshalb beschloss die Regierung, die Förderung bereits bis 2022 einzustellen. Dazu kam es dann aber wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine und des dadurch ausgelösten Gasmangels vorerst nicht. Stattdessen beschränkte man die Förderung auf die Mindestmenge von 2,8 Milliarden Kubikmeter, die für die Aufrechterhaltung von Standorten und Infrastruktur für erforderlich gehalten wurde. Früher wurden dagegen jährlich über 20 Milliarden Kubikmeter jährlich gefördert, und 2021 waren es noch 4,5 Milliarden Kubikmeter.

Die niederländischen Erdgasvorkommen wurden Ende der fünfziger Jahre entdeckt. Sie bildeten die Basis des deutschen Erdgasnetzes, das ab den sechziger Jahren immer stärker ausgebaut wurde, um die früheren lokalen Versorgungen mit Stadtgas zu ersetzen (siehe ENERGIE-WISSEN).

 

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