März 1998 |
980313 |
ENERGIE-CHRONIK |
Die Grünen fordern weiterhin eine Erhöhung des Benzinpreises auf fünf Mark pro Liter binnen zehn Jahren als zentralem Punkt einer ökologischen Steuerreform. Dies beschloß nach heftiger Debatte, aber mit großer Mehrheit der Parteitag der Bündnisgrünen am 8.3. in Magdeburg. Mit den Mehreinnahmen aus der Benzinsteuer sollen Lohnnebenkosten und andere Steuern massiv gesenkt werden.
Der Beschluß löste in der Öffentlichkeit
ein stark negatives Echo aus, zumal seine Verbindung mit einer
ökologischen Steuerreform größtenteils nicht verstanden
wurde. CDU-Generalsekretär Peter Hintze ergriff die Gelegenheit
zu einer gezielten Kampagne gegen die Grünen. Auch SPD-Kanzlerkandidat
Gerhard Schröder rückte von der Benzinpreis-Forderung
seines möglichen Koalitionspartners deutlich ab: "Das
ist Quatsch und mit uns nicht zu machen." Aufgrund seiner
verheerenden Wirkung in der Öffentlichkeit brachte der Beschluß
selbst Teile der Grünen und ihrer Sympathisanten in Rage.
Der Umweltexperte Ernst-Ulrich von Weizsäcker (SPD) bezeichnete
ihn als groben taktischen Fehler und "politisches Harakiri"
(FR, 9.3. u.17.3.).