Mai 2014

140503

ENERGIE-CHRONIK


 

 

Starker Anstieg des Bedarfs an Reservekraftwerksleistung erwartet

Die Bundesnetzagentur erwartet einen starken Anstieg des Bedarfs an Reservekraftwerksleistung. Im bevorstehenden Winter wird er um etwa ein Fünftel zunehmen, im darauffolgenden Jahr aber annähernd um das Doppelte. Als Grund dafür nennt die Behörde die zunehmende Einspeisung von Strom aus regenerativen Energien im Norden Deutschlands, die Abschaltung von Kernkraftwerken vor allem im verbrauchsintensiven Süden Deutschlands, die Verzögerungen beim Neubau von Leitungen sowie die hohen Exporte in südliche Nachbarländer. Das so bewirkte Nord-Süd-Gefälle beim Stromtransport im Übertragungsnetz könne besonders bei winterlichen Verbrauchssituationen zu Engpässen führen, die sich bei der gegenwärtigen Verteilung des Kraftwerksparks nicht mehr mit "Redispatch"-Maßnahmen ausgleichen lassen, sondern die zeitweilige Aktivierung von zusätzlichen Kraftwerkskapazitäten erfordern.

Im vergangenen Winter wurde die Netzreserve kein einziges Mal benötigt

In ihrem Bericht zur "Feststellung des Reservekraftwerksbedarfs für den Winter 2014/2015 sowie die Jahre 2015/2016 und 2017/2018" räumt die Bundesnetzagentur ein, daß im zurückliegenden Winter 2013/2014 keine der angenommenen Risiko-Situationen (Starkwindszenario, Gasknappheitsszenario, Schwachwindszenario) eingetreten ist. Die vorgesehene Netzreserve von 2.500 MW mußte deshalb kein einziges Mal in Anspruch genommen werden. Schon gar nicht wurden Notfallmaßnahmen nach 13 Abs. 2 EnWG im Übertragungsnetz erforderlich; vielmehr fanden alle erforderlichen Anpassungen von Stromeinspeisungen, Stromtransiten und Stromabnahmen im Rahmen der normalen, marktbasierten und vertraglich abgesprochenen Maßnahmen gemäß 13 Abs. 1 EnWG statt. Die Bundesnetzagentur warnt aber davor, daraus den Schluß zu ziehen, die Netzreserve sei entbehrlich gewesen. Die günstige Netzsituation sei nur dem extrem milden Winter zu verdanken gewesen.

"Kapazitätsmechanismus sinnvoller als Neubau von Reservekraftwerken"

Der Bericht kommt zu dem Schluss, daß im bevorstehenden Winter 2014/2015 insgesamt ein Bedarf in Höhe von 3.091 MW besteht, wovon 3.027 MW bereits als gesichert betrachtet werden können. Im Zeitraum 2015/2016 steigt der Bedarf auf 6.000 MW, wovon bisher 4.561 MW als gesichert betrachtet werden können. Für den folgenden Zeitraum 2017/2018 wird der Bedarf mit 7.000 MW und die bereits gesicherte Leistung mit 3.924 MW veranschlagt.

Der gesetzlich mögliche Neubau von Kraftwerken zum Zwecke der Netzreserve ist nach Ansicht der Bundesnetzagentur vorläufig nicht erforderlich. Außerdem hält es die Behörde für "nicht sinnvoll, unter hohem Zeitdruck kleine ineffiziente und umweltbelastende Kraftwerke für sehr viel Geld neu zu errichten, die nur über wenige Jahre und in dieser Zeit nur für wenige Stunden betrieben werden dürfen". Die Einführung einer Vergütung für die bloße Vorhaltung von Kraftwerkskapazitäten sei geeigneter, das Problem der Netzreserve zu lösen.

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