März 2023

230303

ENERGIE-CHRONIK





Die aktuell installierte Windkraft-Leistung von 58 GW müsste bis Ende 2024 um 11 GW erhöht werden, um auf die im neuen EEG vorgesehenen 69 GW zu kommen. Aber auch die 10 GW, die Robert Habeck "bis zur Hälfte der Dekade" bei sportlicher Anstrengung für erreichbar hält, wären innerhalb von zwei Jahren eine erstaunliche Leistung, denn in den beiden Vorjahren wuchs der Bestand um gerade mal knapp drei Gigawatt (siehe auch Grafik2).

Habeck hält geplanten Windkraft-Zubau für "sportlich, aber machbar"

Zwölf Tage nach dem "Photovoltaik-Gipfel" (230302) führte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck am 22. März eine ähnliche Veranstaltung durch, um den geplanten Ausbau der Windkraft an Land weiter voranzutreiben.Teilnehmer waren wiederum Vertreter von Branchenverbänden, kommunalen Spitzenverbänden, Ländern, Gewerkschaften und anderen Ministerien. Wie Habeck anschließend vor der Presse feststellte, ist der geplante Zubau von Windkraftanlagen schwieriger zu verwirklichen als die ebenfalls deutlich erhöhten Ziele für die Solarstromerzeugung oder die Errichtung neuer Windparks vor der Küste. Dennoch halte er es für "sportlich, aber machbar", die derzeit installierte Nennleistung von rund 58 Gigawatt "bis zur Hälfte der Dekade" um weitere 10 Gigawatt zu erhöhen. Bereits jetzt befänden sich Anträge für 9 Gigawatt im Genehmigungsverfahren.

BWE fordert schnellere Umsetzung des Zwei-Prozent-Flächenziels

„Der heutige Gipfel war spürbar von einer ganz anderen Ernsthaftigkeit als der Gipfel 2019 unter Peter Altmaier", erklärte der Präsident des Bundesverbands WindEnergie BWE, Hermann Albers. "Wir sehen hier deutlich den Willen zur Gestaltung der Energiewende." Dennoch würden aus Sicht seines Verbands einige Punkte offen bleiben. Vor allem vermisse er die nötige Bewegung, um große Flächen kurzfristig verfügbar zu machen. Es reiche nicht, sich auf dem Windenergie-an-Land-Gesetz auszuruhen, das der Bundestag im Juli 2022 verabschiedete und in dem verbindliche Flächenziele für den Bau von Windkraftanlagen an Land vorgeschrieben werden (220703) . Die Ausweisung dieser Flächen müsse in einem Schritt erfolgen und schon auf 2025 vorgezogen werden.

Schwertransporte von WKA-Bauteilen müssen erleichtert werden

Auch bei den Transportgenehmigungen fehle der dringend notwendige Durchbruch, bemängelte dr BEW-Präsident Albers weiter. Hier sei durch Standardisierung eine Vereinheitlichung für alle Bundesländer möglich. Diese Chance gelte es zu nutzen, um Schwertransporte für die Hersteller- und Speditionsunternehmen handhabbarer zu machen. Die Idee der Verlagerung von Transporten auf Wasserwege sei angesichts fehlender Hafeninfrastrukturen realitätsfremd und nicht schnell genug umsetzbar.

Einheitliche Regeln für Naturschutz erforderlich

Beim Naturschutz habe es vor allem beim Thema Fledermäuse Bewegung gegeben. Es brauche aber auch hier mehr Tempo, um die Standardisierung voranzutreiben. "Es darf nicht gewartet werden, bis die Beschleunigungswirkung durch die EU-Notfallverordnung ausläuft", warnte Albers. "Die Zeit drängt."

BDEW drängt ebenfalls auf Umsetzung des Flächenziels bis 2025

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) drängt ebenfalls auf eine beschleunigte Ausweisung der gesetzlich vorgesehenen Zwei-Prozent-Fläche für Windenenergieanlagen. "Um die Ausbauziele zu erreichen, ist eine Vervierfachung der Ausbaugeschwindigkeit bei Windenergieanlagen an Land notwendig", erklärte die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, Kerstin Andreae, vor Beginn des Treffens, an dem sie für ihren Verband teilnahm. Besonders wichtig sei es, das Flächenziel schon bis Ende 2025 planerisch umzusetzen anstatt erst bis 2032.

Die "Flächenbeitragswerte" der einzelnen Bundesländer sind in Anlage 2 des Wind-Land-Gesetzes festgelegt. Sie differieren zwischen 0,5 und 2,2 Prozent der jeweiligen Landesfläche und müssen bis 31. Dezember 2032 ausgewiesen werden. Außerdem muß ein kleinerer Anteil bereits bis 31. Dezember 2027 planerisch umgesetzt sein.



Den stärksten Zubau bei Windkraft an Land gab es bisher 2017 mit 5334 MW, den geringsten 2019 mit 958 MW. Die Erhöhung der Gesamtleistung aller Windkraftanlagen fällt immer etwas geringer aus als der Brutto-Zubau, da es sich oft um neue Anlagen handelt, die am selben Standort eine alte und weniger leistungsfähige Anlage ersetzen ("Repowering").

 

Links (intern)