April 2017

170401

ENERGIE-CHRONIK


Drei von vier ausgeschriebenen Nordsee-Windparks kommen ohne Förderung aus

In der ersten Ausschreibung für Windparks in der Nordsee (170213) hat die Bundesnetzagentur am 13. April die Zuschläge erteilt und eine Erzeugungs-Nennleistung von insgesamt 1.490 MW vergeben. Davon entfallen 900 MW auf das Projekt "He dreiht", das die Energie Baden-Württemberg (EnBW) vor neun Jahren erworben hat (080515). Der dänische Energiekonzern Dong sicherte sich mit den Projekten OWP West (240 MW), Borkum Riffgrund West 2 (240 MW) und Gode Wind 3 (110 MW) den Bau von drei kleineren Windparks mit einer Gesamtleistung von 590 MW.

Als Höchstwert der möglichen Förderung sind in 33 des Windenergie-auf-See-Gesetzes 12 Cent pro Kilowattstunde festgelegt. Überraschenderweise verzichtete die EnBW aber auf jegliche Zuschüsse. Dong Energy nimmt für OWP West und Borkum Riffgrund West 2 ebenfalls keine Förderung in Anspruch. Bei Gode Wind 3 begnügte sich der dänische Konzern mit 6 Cent pro Kilowattstunde. Die durchschnittliche Förderung beträgt deshalb in der ersten Offshore-Ausschreibungsrunde lediglich 0,44 Cent pro Kilowattstunde.

Dieses Ergebnis sei ein eindrucksvoller Beweis für die Wettbewerbsfähigkeit der Offshore-Windenergie, erklärte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann. Es sei auch eine erfreuliche Botschaft für alle Stromverbraucher, die über die EEG-Umlage die Förderung der Erneuerbaren Energien mitfinanzieren. Allerdings bleibe offen, ob sich derart niedrige Zuschlagswerte in der nächsten Ausschreibung wiederholen werden.

Wer seinen Windpark bis 2025 am Netz haben will, muß jetzt den Zuschlag bekommen

Das überraschende Ergebnis dürfte den besonderen Rahmenbedingungen zuzuschreiben sein: Seit der im Sommer 2014 beschlossenen Änderung der Vorschriften zur Umsetzung des Offshore-Entwicklungsplans in 17d EnWG sind keine neuen Genehmigungen für Offshore-Windparks mehr erteilt worden (150501). Dieser Genehmigungsstopp erfolgte mit Blick auf das geplante Windenergie-auf-See-Gesetz, das ab 2017 die Stromerzeugung vor der deutschen Küste nur noch per Ausschreibungen fördert (160702). An den beiden ersten Ausschreibungen in den Jahren 2017 und 2018, die jeweils einen Umfang von 1.550 MW haben, dürfen sich aber keineswegs alle Projekte beteiligen: Zugelassen sind nur solche, für die bis 2014 aufgrund der alten Regelungen eine Genehmigung erteilt wurde oder zumindest die Anhörung stattfand (170107). Das bedeutet, daß 23 Projekte mit einer geplanten Nennleistung von insgesamt gut 5.000 MW um ein Gesamtvolumen von 3.100 MW konkurrieren.

Wer die Zulassungsvoraussetzungen für die beiden ersten Ausschreibungen erfüllt und seinen Offshore-Windpark bis Mitte der zwanziger Jahre in Betrieb nehmen möchte, muß deshalb große Anstrengungen unternehmen und sehr knapp kalkulieren, um die Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen. Andernfalls kann er sich erst wieder an den regulären Ausschreibungen beteiligen, die ab 1. November 2021 jährlich stattfinden. Diese haben aber lediglich ein Volumen von 700 bis 900 MW (170107). Die Anzahl der Bewerber dürfte dagegen größer werden.

Innogy und Vattenfall gingen leer aus

Wieviele andere Bewerber es neben EnBW und Dong bei der ersten Ausschreibung gab, teilte die Bundesnetzagentur nicht mit. Sie wollte dies auf Nachfrage der ENERGIE-CHRONIK auch nicht bekanntgeben. Die Begründung lautete: "Die zuständige Beschlußkammer hat sich bei ihrer Veröffentlichung der Ausschreibungsergebnisse an die gesetzlichen Vorgaben gehalten und das veröffentlicht, was in den betreffenden Regelungen im Windenergie-auf-See-Gesetz sowie des Erneuerbare-Energien-Gesetzes als zu veröffentlichender Inhalt bestimmt wird."

Immerhin wurde bekannt, daß sich mit Innogy und Vattenfall zwei weitere potente Unternehmen beteiligt haben, die ebenfalls lebhaft am Ausbau ihrer Erneuerbaren-Aktivitäten interessiert sind. Innogy hat dabei für das Projekt "Kaskasi" geboten, das nahe Helgoland eine Leistung von 280 MW erbringen soll. Die RWE-Tochter wollte aber offenbar nicht so weitgehend auf Förderung verzichten, wie es die beiden Wettbewerber taten, und zog deshalb gegenüber Dong den kürzeren.

EnBW und Dong rechnen mit künftigen Kostensenkungen

Die EnBW hat künftige Kostensenkungen miteinkalkuliert, die es ermöglichen sollen, das Projekt He dreight ohne Zuschüsse zu verwirklichen und ab 2025 zu betreiben. Der Windpark werde von der rasch fortschreitenden Technologieentwicklung und weiterer Professionalisierung in der Windenergiebranche profitieren, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Wichtige Synergie- und damit Kostensenkungseffekte ergäben sich auch durch die räumliche Nähe zu den beiden EnBW-Windparks Hohe See und Albatros.

Dong rechnet damit, daß bis 2024 noch bedeutend leistungsfähigere Offshore-Windkraftanlagen auf den Markt kommen, die mit 13 bis 15 MW die Stromproduktion vergrößern und den Installationsaufwand verringern. Die Projekte OWP West und Borkum Riffgrund West 2 könnten zu einem großen Windpark zusammengelegt werden, der ebenso wie die benachbarten Dong-Windparks Borkum Riffgrund 1 und 2 von Norddeich aus betrieben und gewartet wird. Außerdem hätten die deutschen Behörden die Möglichkeit eingeräumt, die Betriebsdauer der Anlagen von 25 auf 30 Jahre zu verlängern.

An der zweiten Ausschreibung, die am 1. April 2018 erfolgt, können sich nach der ersten Runde noch 19 Projekte beteiligen. Das Volumen beträgt wiederum 1.550 MW. Hinzu kommen die 60 MW, die in der ersten Ausschreibung nicht vergeben worden sind, so daß insgesamt 1.610 MW zugeteilt werden können. Davon müssen mindestens 500 Megawatt auf Offshore-Windparks in der Ostsee entfallen.

 

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